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Theodor Bergmann-ein kritischer Kommunist

Am Freitag, 12. Juni 2009, hatte ich mal wieder die Gelegenheit einem Zeitzeugen begegnen zu können.
Die Veranstaltung wurde vom bak shalom organisiert und fand im Konferenzraum des Karl Liebknecht Hauses, Parteizentrale Die Linke, statt.

Theodor Bergmann zeichnete am Anfang der Diskussionsrunde einen groben Abriss seines Lebens.
Geboren wurde er, der sich immer gerne selber als „kritischen Kommunisten“ sah, am 7. März 1916 als Sohn eines Rabbiners in Berlin. Erste politische Schritte unternahm er 1927, als er dem Jungsspartakusbund und dem Sozialistischen Schülerbund beitrat. Wenig später folgte der Eintritt in die KJVD-O (Jugendorganisation der damals noch recht jungen KPD), in der er bis 1933 in Berlin aktiv gewesen ist. Das Jahr seines Abiturs, ist auch für ihn das Jahr geworden, in dem er emigrieren musste. Orte der Emigration wurden das britische Mandatsgebiet Palästina, die Tschechoslowakei und Schweden.
In seinen überaus interessanten Schilderungen beschrieb er die Spaltung der politischen Richtungen der Zwanziger Jahre, welche er maßgeblich miterlebte. Unter anderem die Richtungskämpfe der kommunistischen Bewegungen und sein Kontakt zu Heinrich Brandler und August Thalheimer.
Das Studium der Agrarwissenschaften schloss er 1947 ab. Anschließend folgten verschiedene Tätigkeiten bis 1981 an einigen Hochschulen. Danach widmete er sich verstärkt der Geschichte der Arbeiterbewegung. Ab 1990 ergab sich eine Mitgliedschaft in der PDS, 2007 folgte dann diese in Der Linken.
Er ist Autor zahlreicher Schriften und Publikationen zur Geschichte der Arbeiterbewegung.

Theodor Bergmann berichtete aber nicht nur in seinem eineinhalbstündigen Vortrag über einige Stationen seines interessanten Lebens, sondern nahm sich auch die Zeit sich jüdischen Kommunist_Innen im 20. Jahrhundert zu widmen. Er sprach dabei von Rosa Luxemburg, die fast die ganzen Jahre des Ersten Weltkrieges im Gefängnis zu brachte, von ihrer „Helferin“ außerhalb der Gefängnismauern Matilde Jacob, mit der sie einen regen Schriftverkehr führte.  Nicht weniger interessant beschrieb er Persönlichkeiten wie Karl Kautsky, Lenin, Klara Zetkin, August Bebel, um nur einige wenige zu nennen.
Auch hielt er sich nicht mit der Kritik an Stalin und dem so genannten „Führungsstil“ der DDR zurück. Im Gegenteil, er brachte stichhaltige Argumente hervor, weshalb die DDR von an Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Seiner Meinung nach, war es einer der großen Fehler, dass man nur mit „Ja-Sagern“ innerhalb der „Führungsstrukturen“ die Posten besetzen ließ und jeden kritischen Kopf aus grenzte und zum Schweigen brachte. Dabei, so äußerte er sich, betraf dies nicht nur Menschen jüdischen Glaubens, die zurückkehrten, um in der DDR, ihrer Aussagen nach, etwas Neues und Gerechtes aufzubauen, sondern auch alle anderen, die politisiert waren und ihre Hoffnungen in diesen neuen Staat setzen.
Dies war auch einer der Gründe, weshalb er sich einige Jahre nach 1946. als er selbst nach Deutschland zurückkehrte und die erste Zeit in dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone, wo später die DDR gegründet wurde, verbrachte, bewusst für das Leben in der westlichen Besatzungszone entschied.

Auf den Vortrag folgte eine kurze abschließende Diskussionsrunde, in der Fragen gestellt werden konnten. Leider hielt sich die Resonanz merklich in Grenzen.
Alles in allem lässt sich aber bemerken, dass es eine recht interessante Veranstaltung gewesen ist, auf der es durchaus auch einige kritische Rückfragen gegeben hat, die ich aber leider nicht mehr sinngemäß wieder geben kann, da mein Gedächtnis zu viele Lücken aufweist und ich nicht möchte, dass sich aus einer eventuellen Wiedergabe Missverständnisse ergeben.

Hier noch einige Literatur des Autors und Zeitzeugen Theodor Bergmann:

Im Jahrhundert der Katastrophen. Autobiographie eines kritischen Kommunisten. Hamburg 2000.
Krise und Zukunft des Kibbutz. Weinheim/München 2002. (gemeinsam mit Ludwig Liegle)
Die Thalheimers. Geschichte einer Familie undogmatischer Marxisten. Hamburg 2004.

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