Klaus Mann: Flucht in den Norden

Das dritte Buch, das ich von Klaus Mann gelesen habe. Wieder einmal ein guter Treffer, der mich weder gelangweilt noch genervt hat.

Flucht in den Norden erschien 1934 im Querido Verlag in Amsterdam und war der erste Roman, den Klaus Mann im Exil geschrieben hatte.

Im Gegensatz zu „Der Vulkan“ ist die Anzahl der hier beschriebenen und erschienen Personen sehr übersichtlich. Das hat den Vorteil, dass mensch sich nicht im Geflecht der einzelnen Konstellationen und Charaktere verliert.
Johanna flüchtet aus politischen Gründen, sie ist Kommunistin, aus Deutschland ins Exil nach Finnland zu einer Freundin auf deren familiäres Gut, die sie während des Studiums in Berlin kennen gelernt hat. Karin, Johannas Freundin, holt sie am Hafen der Hauptstadt ab und begleitet sie auf das Gut. Dort lernt Johanna Ragnar, Karins Bruder, kennen und verliebt sich sehr heftig in diesen. Mit ihm unternimmt sie Ausflüge in die Umgebung des Landes und verliert sich für eine Weile in der unendlichen Weite Finnlands und in ihrer Leidenschaft zu Ragnar. Sie bemerkt nur ganz leicht, dass sie sich von Karin immer mehr entfernt, diese darunter leidet, aber es mit „Weisheit“ aufnimmt und verarbeitet, und ihre politischen Ideale und Überzeugungen eine zeit lang verliert. Dabei sollte ihr Aufenthalt in Finnland nur eine Zwischenstation auf dem Wege nach Paris darstellen, denn sie möchte ihren Genoss_Innen dort sehr bald im Kampf gegen Deutschland zur Seite stehen.
Ein Brief aus Paris holt sie dann aber dennoch in die Realität zurück. Ein Freund-Bruno-ist wegen Arbeiten gegen das Regime mit den dortigen Genoss_Innen nach Deutschland gereist, wurde dort verhalftet und auf der Flucht erschossen.
Sie wird nach Paris gerufen und gebeten mit ihren Freunden den dortigen Kampf gegen Deutschland fort zu setzen. Johanna folgt.

Klaus Mann beschreibt in seinem Roman sehr treffend die innerlichen Konflikte und die Zerrissenheit, in denen sich Johanna befindet, da sie sich zwischen „privatem Glück“ und politischer Verantwortung entscheiden muss. Dieser Konflikt begleitet sie mal stärker, mal schwächer, aber doch die ganze Zeit, während ihres Aufenthalts in Finnland. Sie ist hin und her gerissen. Teilweise auch sehr verzweifelt, dass sie, um den Moment mit Ragnar anzuhalten, mit ihm in den gemeinsamen Tod gehen möchte.

Daneben ist es eine Hommage Klaus Manns an die finnische Landschaft, die er zusammen mit seiner Schwester Erika 1932 besucht hat. Er tut dies sehr still und unaufdringlich im Hintergrund, aber es ist dennoch immer gegenwärtig.

Alles in allem doch ein eher ruhiges Buch, dass im Kontrast zu dem rastlosen Roman „Der Vulkan“ steht. Bei diesem ist es allerdings auch beabsichtigt gewesen, da die Leser_Innen durch die verschiedenen Stationen der Charaktere in deren Exil geführt werden. Und ein ständiges, von außen aufgezwungenes Exil, kann nicht ruhelos und still sein.

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