Klaus Mann: Der Vulkan

Momentan lässt mir ja die Zeit die Möglichkeit meinen Kopf weiter zubringen und somit ist der Genuss guter Literatur, wobei das natürlich subjektiv bleibt, wieder möglich.
Das Interesse an Exilliteratur wurde schon vor Jahren durch Anna Seghers geweckt, ist dann aber in der letzten Zeit doch eingeschlafen. Was folgte, waren Exkursionen durch die Philosophie und die Geschichte. Nicht zuletzt Adorno folgte auf schnellem Fuße.

Aber nun zu Klaus Mann „Der Vulkan“.
Der Roman umfasst in etwa 600 Seiten und ist zum ersten Male 1939, wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, im Querido Verlag in Amsterdam erschienen. Das Hauptmerkmal liegt hierbei auf den Schicksalen deutscher politischer Emigranten-jüdische Intellektuelle, Kommunist_Innen, Künstler_Innen, Widerstandskämpfer_Innen und exilierte Großbürger_Innen-in der Zeit zwischen 1933 bis 1938. Schauplätze sind, unter anderem, Paris, Zürich, Amsterdam, Spanien, New York, die USA und Hollywood. Klaus Mann hat auch hier einige biografische Elemente eingebaut. Er hielt sich Zeit seines Lebens, um nur einige Aufenthaltsorte zu nennen, in Zürich und Amsterdam auf.
Gegliedert ist der Roman in drei Teile und beginnt mit der Ankunft einer Gruppe von Freunden aus Berlin in Paris 1933. Paris bildet hierbei das Zentrum, von dem aus die verschiedenen Wege der einzelnen Schicksale durch Europa bis nach Amerika zu verfolgen sind. Die Hoffnung, dass das Exil nur von kurzer Dauer und etwas Vorübergehendes sein könnte, lässt sich noch in den ersten Kapiteln des ersten Teiles erkennen.
Einige fangen aber an sich im Exil einzurichten, etwas Neues aufzubauen und andere wiederum geben die Hoffnung auf, begeben sich in die Drogensucht oder bringen sich um.

Klaus Mann gelingt es verschiedene Personen innerhalb des Romans immer wieder direkt miteinander in Kontakt zu bringen, sofern sie sich kennen, oder ihre verschiedenen Lebensentwürfe indirekt miteinander zu verknüpfen, d. h. sie begegnen sich nicht, aber erhalten durch verschiedene Personen Informationen über andere, ihnen, aber nicht den Leser_Innen, unbekannte Menschen. Das selbe zeigt sich im Handlungsstrang. Die Leser_Innen erfahren ein weites Spektrum an Charakteren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Klaus Mann verliert sich dabei aber nicht in Oberflächlichkeiten, sondern begibt sich in den einzelnen Beschreibungen in eine Tiefe, die eigentlich nur durch eigene subjektive Wahrnehmung zu erfahren ist. Besonderes Augenmerk gilt hier den Drogenerfahrungen, die Klaus Mann höchstwahrscheinlich aus den eigenen Erlebnissen eingebaut hat.
Insgesamt steht immer der Tag der Befreiung im Zentrum ihrer Gedanken, ihres Handelns und ihrer Politisierung. Wenn sie dies noch nicht gewesen sind, als das Exil begann, so wurden sie es spätestens in diesem.
Gegen Ende werden auch die ersten Zweifel an einer Rückkehr nach Deutschland sichtbar.
Die berechtigte Angst vor einem Kriege wird immer beherrschender und zeigt ihnen umso intensiver, dass sie sich selbst im Exil in Europa und in den anderen gewählten Orten am Rande eines Vulkans befinden, der jeden Moment droht auszubrechen.

Klaus Mann schreibt stilistisch sehr intensiv. Er bezieht seine Leser_Innen in die Gedanken der jeweiligen Personen mit ein und lässt sie somit an allem teilhaben. Mit allzu detaillierten Beschreibungen der Umgebung, in der sie sich aufhalten, hält er sich jedoch zurück.
Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Buch, dass alle, die es lesen, in die Höhen und Tiefen der Menschen in „ihrem“ Exil miteinbezieht und einen doch betroffen, nachdenklich, aber auch amüsiert, jedoch nicht ratlos zurück lässt.

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