Die Geschwister Oppermann.

Den Sommer über zu lesen lohnt sich in jedem Fall. Neben einigen anderen Büchern begleitete mich auch das Werk von Lion Feuchtwanger „Die Geschwister Oppermann“ dem zweiten Band aus der Wartesaal-Triologie. Diese umfasst noch die Bände „Erfolg“ und „Exil“. Bei allen drei Büchern handelt es sich um Exilliteratur. Wobei „Erfolg“ nicht im Exil geschrieben wurde, es erschien schon 1930 und entstand ab 1927, aber zu den anderen beiden Werken dazu gezählt wird und somit auch als „Exilwerk“ angesehen werden kann.
„Exil“ entstand in der Zeit von Feuchtwangers Exil in Frankreich in den Jahren 1937-1939. Es schildert den Alltag eines deutschen Komponisten im französischen Exil.
Dazu aber an selber Stelle später mehr. Ich lese….

Aber zurück zu den „Geschwister Oppermann“. Von 1933 bis 1935 erschien dieses Werk unter einem veränderten Titel: „Die Geschwister Oppenheim“. Grund dafür war die Tatsache, dass ein Nazi, der den Namen Oppermann trug, gegen Feuchtwangers Bruder, welcher noch in Deutschland lebte, Drohungen aussprach.
Als Lion Feuchtwanger die „Geschwister Oppermann“ verfasste, lebte er bereits im Exil in Südfrankreich und schrieb die gerade erlebten Eindrücke sofort auf, um sie für immer fest zu halten.
Erzählt wird die Geschichte der fiktiven Geschwister Oppermann. Diese orientiert sich aber an den Kenntnissen, die Feuchtwanger schon ab 1933 über das Nazi-Regime durch Erzählungen und Erlebnisberichte sammeln konnte und musste. Begleitet werden die Geschwister Gustav, Martin, Edgar und Klara und ihre Familien von 1932 bis Ende 1933. Hintergrund bildet die Machtergreifung Hitlers und die aufkommenden Schikanen, Festnahmen, Verhöre und die Ermordungen in den Konzentrationslagern, die auch immer mehr die Familie Oppermann betreffen.

Martins Sohn Bertoldt Oppermann bekommt in seiner Schule einen neuen Lehrer, Herrn Vogelsang, nachdem sein früherer Lehrer wegen eines Autounfalls ums Leben gekommen ist. Dieser Herr Vogelsang ist ein früher „Vorkämpfer“ und „Vertreter“ der „nationalsozialistischen Sache“ und will den „Jungens“ richtiges „Deutschtum“ am libertären und humanistischen Gymnasium „beibringen“. Bertoldt Oppermann sollte einen Vortag über humanistische Ideale halten, den er noch von seinem früheren Lehrer erhalten hat. Vogelsang sieht darin „die Dolchstoßlegende“ bestätigt und kann humanistischen Idealen nichts abgewinnen, bezeichnet diese als einen Grund für die „verweichlichte“ Weimarer Republik und gibt Bertholdt ein neues Vortragsthema: „Hermann, der Deutsche und seine Bedeutung für die heutigen Deutschen“. Vogelsang tut dies, weil er weiß, dass Bertoldt Jude ist und somit das Sinnbild und der Stereotyp für die internationale Verschwörung, die Deutschland an den Abgrund geführt hat.
Bertoldt begibt sich also an das Thema. Am Tage seines Vortrages stellt er die These auf, dass „Hermann, der Deutsche“ in der entscheidenden Schlacht nicht mit Nachsicht und rationalem Verstand gehandelt hat, sondern aus purem Instinkt heraus. Nicht überlegt und ohne Weitsicht. Vogelsang sieht darin eine verräterische Aussage und schießt sich von nun an auf Bertoldt weiter ein. Vogelsang sieht die „jüdische Verschwörung“ in Bertoldts Vortrag bestätigt. Dieser soll sich nun vor der gesamten Schule entschuldigen und seine These zurücknehmen. Da sich aber Bertoldt die nächsten Wochen nicht zu einer „Entschuldigung“ entschließt, wird er immer mehr von den Dingen, die ihm wichtig sind, ausgeschlossen. Der Druck auf ihn wird durch die Machtergreifung Hitlers nur noch größer, da jetzt auch Vogelsang immer mehr Oberwasser bekommt. Der Direktor der Gymnasiums, ein Vertreter humanistischer Ideale und Werte, kann schließlich auch nicht anders handeln, als Bertoldt dazu zu bewegen sich zu entschuldigen. Bertoldt entschließt sich schließlich dafür, aber mit folgenreichen Konsequenzen…

Sehr stark beschreibt Lion Feuchtwanger in seinem Zeitroman die innere Zerrissenheit der einzelnen Personen zwischen dem Glauben, dass die „Völkischen“ von sich aus wieder verschwinden und der Tatsache, dass es doch etwas ist, was bleiben wird. Es wird die Verzweiflung gezeigt das alles nicht wahr haben zu wollen. Dass nicht sein kann, was nicht dem geistigen Niveau Schillers und Freud entspricht.
Dass man sich über drei Generationen hinweg eine Existenz aufgebaut hat, welche nun nach und nach unwiederbringlich zerstört wird.
Dass der Glaube an die „Kulturnation“ größer ist, als das Wahrnehmen der Realität.
Dies geschieht alles sehr detailliert und ruhig. Es ist ein ruhiges Buch, welches dennoch betroffen macht und man am liebsten den Menschen sagen würde: „Ihr irrt Euch.“

Es ist lesenswert. Vor allem schon deswegen, weil es für viele Menschen der damaligen Umstände exemplarisch steht. Für ihren Glauben an die Vernunft im menschlichen Verstand…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s